Wir Gefühlsunternehmer. Wie Online-Dating unsere Beziehungen verändert

Deutschlandradio Kultur, Forschung und Gesellschaft, 11.12.2014

Tim Wiese/Lydia Heller

Smartphones, Chatforen, Soziale Netzwerke und andere neue Kommunikationstechnologien verändern unsere Vorstellungen von Liebe, Romantik und Sex. Sie beeinflussen, wie, wo und welche Menschen sich kennenlernen, wie sie Beziehungen eingehen, führen und beenden. Das Internet rangiert Soziologen zufolge dabei als Weg oder Ort, über den Menschen einen Partner finden, inzwischen auf Rang drei – gleich nach Treffen auf Partys gemeinsamer Freunde, in Bars und Clubs oder anderen öffentlichen Plätzen.

Nach Älteren, Schwulen, Lesben oder Menschen in dünnbesiedelten Regionen trifft sich heute auch ein gutes Fünftel aller ›klassischen‹ heterosexuellen Paare online. Es gibt Cybersexspielzeuge, die Sex simulieren, indem sie Bewegungen zweier Menschen an verschiedenen Orten auf das Gerät des Partners übertragen. Es gibt Sextoy-Apps wie bang with friends, über die man seine Facebook-Freunde zum One Night Stand einladen kann. Und es gibt Dating-Apps wie Tinder und Lovoo, die fast jeder Unter-30-Jährige auf seinem Handy hat.

Kritiker warnten vor diesem Hintergrund noch vor einigen Jahren vor allgemeiner Vereinsamung durch »Phantom-kommunikation«. Echte Nähe, Gefühle und Intimität, so die Befürchtung, würden erschwert oder sogar verhindert. Freundschaft, Liebe und Begehren würden nur suggeriert – eine echte, ausdauernde Auseinandersetzung mit einem anderen Menschen, mit seiner Gegenwart und Körperlichkeit aber nicht eingefordert. Inzwischen weiß man: Digitales Zusammensein via SMS, E-mails und Messages kann die Entstehung von Intimität sogar befördern. Paare in Fernbeziehungen etwa, die via Smartphone eine kontinuierliche Kommunikation unterhalten, empfinden ihre Beziehung als sicherer und gefestigter als Paare mit weniger Online-Kommunikation. Und für Digital Natives ist Online-Kommunikation längst Teil gewöhnlicher Beziehungsarbeit.

Wie genau verändern sie unsere Vorstellungen von und Erwartungen an Liebe, Romantik und Sex? Gibt es neue Formen von Intimität? Und: Können sie technisch gesteuert/manipuliert werden?

Massenweise Sicherheit

Deutschlandradio Kultur – Forschung und Gesellschaft, 11.09.2014

Apps und Simulationen, Drohnen und Roboter sollen auf Massenveranstaltungen für Sicherheit sorgen – oder effiziente Hilfe in Katastrophenfällen gewährleisten. Am besten ganz von selbst.

Zehntausende Musikfans pilgern Sommer für Sommer auf Festivals in ganz Europa, drängen sich in Massen in Zelten und vor Bühnen. Woche für Woche zählen die Fußballstadien in Deutschland tausende Besucher. Dazu kommen Fanmeilen und Stadtläufe, Karnevalsumzüge und Demonstrationen, Christopher-Street-Day, Schlager-Move, Oktoberfest: Was für die einen eine große Party ist, ist harte Arbeit für Sicherheitspersonal und Polizei. Katastrophen wie die Massenpanik auf der Loveparade 2010 in Duisburg mit 21 Toten und über 500 Verletzten sind immer präsent.

Forscher arbeiten allerdings nicht erst seit dem Drama von Duisburg an Konzepten, die Großveranstaltungen sicherer machen können. Oder die, bei Katastrophen wie dem Reaktorunfall von Fukushima nach dem Erdbeben und Tsunami von 2011, Schutz und Hilfe für die Bevölkerung gewährleisten sollen. Mit Methoden des crowd monitoring und crowd sensing etwa – der Überwachung von Menschenmassen und der Erfassung ihrer Bewegungen, ihres Verhalten bis hin zu ihren Stimmungen – ist es immer genauer möglich, ein Geschehen zu erfassen, kritische Situationen vorherzusagen und in Echtzeit einzugreifen.

Dabei werden zum einen die eingesetzten Sensoren immer vielfältiger: neben klassischer, statischer Videoüberwachung können etwa Drohnen flexiblere Daten beispielsweise über Bewegungsrichtung und Dichte großer Menschenansammlungen liefern – ebenso individuelle Sensoren wie Smartphones, Fitnesstracker und Navigationssysteme oder Informationen aus Social Media. Zum anderen werden die Sicherheitssysteme autonomer. Algorithmen, wie sie unter anderem im Rescuer-Projekt des Fraunhofer-Instituts entwickelt werden, analysieren die Daten zunehmend automatisch und erstellen daraus ein Lagebild. Sicherheitsroboter wie der Security Guard Bob der Universität Birmingham patroullieren bereits selbstständig durch Gebäude, auf der Suche nach blockierten Brandschutztüren, verdächtigen Metallteilen oder Personen.  Die TU Wien entwickelt ein autonomes Transportfahrzeug, das Rettungsteams durch gefährliches Gelände führen soll.

Nur – woran lässt sich erkennen, wann etwa ein Gedränge in eine Massenpanik umschlägt? Oder eine friedliche Demonstration in Gewalt und Krawall? Wie eindeutig lässt sich dies berechnen? Wie zuverlässig können autonome Systeme Sensordaten bereits interpretieren? Und: was tun sie, wenn eine Gefahrensituation es erfordert, Menschen zu verletzen um andere zu retten?

Vertical Farming: Pflanzen vom Fließband

Deutschlandfunk – Forschung Aktuell, 04.09.2014

Agrartechnik. – In nur wenigen Jahrzehnten werden zwei Drittel der Menschheit in dicht bebauten Städten leben. Sie wie bisher durch Landwirtschaft vor den Toren der Stadt zu ernähren, wird nicht funktionieren. Daher werden Konzepte für den Anbau in Ballungsräumen entwickelt. Eins davon nennt sich “vertical farming”. Am University Technical College in Wigan bei Manchester läuft eine Pflanzenfabrik, integriert in eine Schule, die urbane Landwirtschaft praktizieren und weiterentwickeln soll.

Präventive Polizeiarbeit – Zukunft der Forensik

Deutschlandradio Kultur – Forschung und Gesellschaft, 05.06.2014

Präventive Polizeiarbeit – Der Traum von der heilen Welt (Teil I)

“Tundra Freeze” heißt das Programm, mit dem der US-Geheimdienst NSA Gesichter von Bildern identifizieren will, die er massenweise im Internet gesammelt hat. Sogenannte Zielpersonen auf der ganzen Welt können damit ausfindig gemacht werden.

Aus dem gleichen Grund möchte der deutsche Bundesnachrichtendienst in Echtzeit soziale Netzwerke und Internetseiten ausforschen. Beide Meldungen stammen aus dieser Woche – doch bereits seit einigen Jahren arbeiten Forscher an Sicherheitssystemen, die automatisch Überwachungsvideos oder Telefon- und Onlinekommunikation auswerten sollen.

Zwar interessieren sich in erster Linie Geheimdienste für diese Technologien. Aber auch bei Polizei und Strafverfolgungsbehörden hält predictive policing – die vorausschauende Polizeiarbeit – Einzug in den Alltag.

Weniger ist mehr: Palliativmedizin ist nicht erst am Therapieende sinnvoll

Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 04.04.2014

Medizin. – Die Nachfrage nach palliativer Betreuung steigt: Fast jeder dritte Deutsche möchte einer aktuellen Umfrage zufolge die letzte Phase seines Lebens in einem Hospiz verbringen. Heilen kann und will die Palliativmedizin nicht – vielleicht aber Leben verlängern. Eine amerikanischen Studie hatte entsprechende Hinweise geliefert und damit eine Debatte angestoßen, wie Palliativmedizin die konventionelle Behandlung Schwerstkranker verbessern könnte.

http://www.deutschlandfunk.de/palliativmedizin-nicht-erst-am-therapieende-sinnvoll.676.de.html?dram:article_id=282055