Vom Streit um Transidentität bei Kindern

Deutschlandfunk, Wissenschaft im Brennpunkt, 21.08.2016

„Es gibt eine Fee“, sagte Karl eines Tages zu seiner Mutter, „die kann mich in ein echtes Mädchen verzaubern. Ich möchte lange Haare und eine Scheide haben.“ Da war sie etwas über vier Jahre alt. So wie Paula, als er begann, Penis-Baupläne für sich zu zeichnen. Nachdem die Eltern erklärt hatten, dass Paula ohne dieses Körperteil geboren wurde und es nicht einfach so wächst, wie Haare wachsen.

Trans*Identität bei Kindern und Jugendlichen, das berichten Kitas und Schulen, Beratungsstellen und Fachärzte, ist ein Thema, mit dem sie sich seit einigen Jahren verstärkt auseinandersetzen müssen. Die Zahl zum Teil sehr junger Menschen – bzw. deren Eltern – steigt, die bei ihnen Rat suchen, weil die Art und Weise, wie sie selbst oder ihre Kinder sich fühlen und verhalten, nicht im Einklang steht mit dem Geschlecht, das ihnen, den Kindern, bei der Geburt zugewiesen wurde.

Eine Herausforderung, aus klinischer, ethischer und gesellschaftlicher Sicht zugleich – und es wird kontrovers und hitzig darüber gestritten, wie man diese Kinder „richtig“ begleitet, wie man ihnen am besten hilft, sich zu physisch und psychisch gesund zu entwickeln. Ist es zum Beispiel richtig, wie einige Mediziner und Therapeuten empfehlen, mit Medikamenten die „ursprünglich angelegte“ körperliche Entwicklung während der Pubertät zu unterdrücken und die gewünschte Entwicklung sekundärer Geschlechtsmerkmale zu induzieren? Oder ist es besser, wenn die Kinder die Pubertät durchleben und man sie dabei psychotherapeutisch begleitet? Weil sich, wie andere meinen, eine geschlechtliche Identität erst in dieser Zeit maßgeblich herausbildet und die Möglichkeit besteht, dass diese dann doch mit dem Körper übereinstimmt? Lässt sich prognostizieren, welche Behandlung für wen die richtige ist und wenn ja, anhand welcher Kriterien? Welche Rolle spielen Geschlechter-Normen und -Stereotype? Und nicht zuletzt: Woran lässt sich Trans*Identität bei Kindern als Variante geschlechtlicher Entwicklung überhaupt erkennen?

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